Abstract
Abstract: Die Analyse ausgewählter Beispiele aus der Kontroversliteratur der Reformationszeit soll rhetorik- und politikgesehichtliche Prolegomena zu einer Theorie und Praxis der Rhetorik des Streitens liefem. Es wird vorgeführt, wie sich Philipp Melanchthons Ziel, die altgläubigen Gegner von der Wahrheit der evangelischen Lehre zu überzeugen, und entsprechende Gesprächsstrategien in seiner Rhetorik und Dialektik niederschlugen und worin die von den konfessionellen Widersaehern diagnostizierten Mängel seiner Überzeugungsstrategie bestanden. Mit Hilfe der modernen Kommunikationstheorie wird der aktuelle Verlauf der Religionsverhandlungen von 1521 bis 1541 ais Dreischrittfolge vom machtbestimmten, ungleichgewichtigen Diskurs über die Vision eines herrsehaftsfreien Diskurses bis zum Scheitern einer Verständigung zugunsten der Spraehe der Macht nachgezeichnet. Drei Kommunikationsversuehe zwischen Protestanten und Katholiken, die hier hauptsäehlieh aus der Perspektive Melanchthons rekonstruiert werden, dienen zur lllustration: A: Die Condamnatio lutheriseher Thesen von Pariser Theologen 1521; B: Die Confessio Augustana, ihre katholische Confutatio, der Recessus des Kaisers im Reichstagsabschied, Melanchthons Apologia confessionis 1530/31 und Johann Coehlaeus' Philippiken gegen die Apologia; C: Die Stellungrwhmen Melanchthons und seiner katholischen Opponenten zum Regensburger Buch 1541