Johannes Göbel
1 article-
Abstract
Reviews Carl Joachim Classen, Autike Rhctorik ini Zeitnltcr des Humanismus. Beitràge zur Altertumskunde 182. München/Leipzig: Saur, 2003. IX, 374 S., Register. Bei den in diesem Band gesammelten Studien handelt es sich um (grôRtenteils überarbeitete) Neupublikationen von überwiegend in den neunziger Jahren erscbienenen Aufsâtzen des vielseitigen Forschers Carl Joachim C(lassen). In ihrer Mehrzahl liefern sie neue Beobachtungen zur Rezeption von Ciceros Reden im europâischen Humanismus. Drei thematische Blocke sind unterscheidbar: Neben chronologisch geordneten, detaillierten Aufrissen der Rezeption der Reden Ciceros im wissenschaftlichen Schrifttum einiger westeuropâischer Lander im 15. und 16. Jahrhundert (Cicerokommentare bilden den Schwerpunkt der Betrachtungen) stehen Einzeluntersuchungen zur Wirkung Ciceros auf das Werk von Humanisten wie Georg von Trapezunt oder Johannes Sturm. Am Ende des Bandes finden sich schlieRlich Arbeiten zum rhetorischen Werk einzelner Humanisten (Bcbel, Melanchthon, Guicciardini), bei dessen Untersuchung die Cicero-Rezeption nicht im Vordergrund steht. Da die elf Beitràge weder nach chronologischen noch nach thematischen Gesichtspunkten, sondern eher nach solchen der variatio geordnet zu sein scheinen, seien sie hier in der oben skizzierten Reihenfolge besprochen. In den beiden umfangreichen Arbeiten, die den Band eroffnen ("Cicerostudien in der Romania im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert", S.l-71; "Das Studium der Reden Ciceros in Spanien im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert", S. 72-136), sowie in den Kapiteln VI und VII des Bandes ("Cicero inter Germanos redivivus I", S.189-224, und "II", S.225-245), gelingt dem Autor nichts Geringeres als ein repràsentativer Überblick über das Studium von Ciceros Reden im 15. und 16. Jahrhundert in den Lândern Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Grund für das Entstehen dieser Aufsàtze war, wie der Autor in seinem kurzen Vorwort (S.VII) andeutet, der ursprüngliche Plan, Ciceros Reden für den Catalogus Cornaientariorura et Translationum (Washington, D.C.: Catholic University of America Press, I960-) zu bearbeiten. Dieser Hintergrund erklàrt, warum gerade die ersten beiden Kapitel oft den Eindruck ausformulierter Lexikonartikel vermitteln und deshalb gut zur ersten Orientierung zu benutzen sind. Der Durchgang durch die Cicerorezeption in Italien (von Petrarca bis Bembo, S.5-20, mit Rhetorica, Vol. XXV, Issue 3, pp. 329-335, ISSN 0734-8584, electronic ISSN 15338541 . G2007 by The International Society for the History of Rhetoric. All rights re served. Please direct all requests for permission to photocopy or reproduce article content through the University of California Press's Rights and Permissions website, at http://www.ucpressjournals.com/reprintlnfo.asp. DOI: 10.1525/RH.2007.25.3.329. 330 RHETORICA einem kurzen Ausblick auf das Ende des 16. Jahrhunderts, S.68-71), Frankreich (von Bernard de Chartres bis zum genialen Textkritiker François Hotman , 1524-1590, S.21-68) und Spanien (auf S.81-127 werden mehr als 100 spanische Autoren des 15. und 16. Jh.s kurz vorgestellt) führt C. zu folgenden Thesen (vgl. zusammenfassend S. 190): In Italien münden die vielfâltigen Formen der Cicero-Rezeption im 15. Jahrhundert schlieBlich in ein orthodoxstilistisches Studium Ciceros, welches zur Entwicklung der Nationalsprache beitrâgt. In Frankreich ist das Interesse an antiker Rhetorik ungebrochen, die Universitàten spielen hier aber kaum eine Rolle, sondern es sind oft Autodidakten oder speziell Interessierte (etwa im juristischen Bereich), welche die Cicero-Studien vorantreiben. In Spanien ist das Studium der Antike und speziell Ciceros nie Selbstzweck, sondern steht im Dienste der Erziehung, welche ihrerseits die propagatiofidei zum Ziel hat. Im deutschsprachigen Raum ist die Cicero-Rezeption, wie C.s Untersuchungen zum Umgang mit Cicero bei Humanisten wie P.Luder, R.Agricola, J.Wimpfeling, H.Bebel und J.Locher (Kap.VI) und in Cicero-Kommentaren von B.Latomus, Ph.Melanchthon, J.Sturm, Pde la Ramée und einigen ihrer Nachfolger zeigen (Kap.VII), weniger durch die Debatte um den sogenannten Ciceronianismus als vielmehr durch die Bedürfnisse der Schule geprâgt; diese veranlassen viele Kommentatoren dazu, Ciceros Reden gleichsam als Steinbrüche für stilistisch vorbildliche Phrasen zu gebrauchen. C.s wertvolle Hinweise auf solche "Didaktisierungen" Ciceros machen auf ein weites Forschungsfeld aufmerksam und wàren durch Untersuchungen zum Umgang mit Cicero im deutschen schulischen und universitàren Lehrbetrieb des 15. und 16. Jahrhunderts zu ergànzen, welche bislang noch kaum durchgeführt sind. Erg...