Abstract

Der rhetorische Fundus eines römischen Schaudeklamators ist, verglichen mit dem eines Gerichtsredners oder Schuldeklamators, um ein effektvolles Instrument reicher: In bewusster Abkehr von der „lehrbuchgemäßen” Affektenlehre kann er das Publikum gerade dadurch gewinnen, dass er die Figuren, die er (narrativ und ethopoietisch) in seiner Rede vorstellt, rollenuntypisch „agieren” lässt. Das zeigt sich beispielhaft in den pseudo-quintilianischen Declamationes maiores 10, 12, 14 und 15. Das kreative Potential dieses Genres wird insbesondere an Declamatio maior 15 deutlich, in der der Deklamator sogar seine eigene Rolle spielerisch in Frage stellt: Die Rede wird so zum Ein-Mann-Theaterstück, in dem auch die Deklamatorenrolle nur eine unter mehreren personae ist.

Journal
Rhetorica
Published
2009-06-01
DOI
10.1353/rht.2009.0005
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