Abstract
Mit dem Begriff homologoumene arete erweist sich Isokrates als Exponent der populären Ethik, des “common sense”. Isokrates integriert die Orientierungspunkte einer Alltagsethik in seinem Eziehungskonzept, das er auf allen Stufen mit dem Gedanken der öffentlichen Anerkennung in Verbindung bringt. Es ist somit kein Erziehungskonzept der nur inneren Werte—ein solches, wie das platonische, müßte aus dieser Perspektive als reduktionistisch erscheinen—sondern im Sinne einer traditionellen Polisethik ein Konzept der öffentlich eindrucksvoll in Erscheinung tretenden homologoumene arete. Isokrates proklamiert die Einheit von Schein und Sein und bleibt auch bei Mißerfolgen, wie im Fall seines Schülers Timotheos, optimistisch. Er rechtfertigt das Streben nach Vorteil und Erfolg, auf die alle Menschen bedacht seien, sofern sie sich im Rahmen der Gerechtigkeit bewegen, aber ungerechte Realpolitik kann nicht völlig vermieden werden.