Abstract
In der im fünften und vierten Jahrhundert v. Chr. erwachenden griechischen Redekunst lassen sich sowohl in der eigentlichen Rhetorik (Corpus der zehn Redner) als auch in benachbarten rhetorisch geprägten Literaturgattungen (Historiographie und Tragödie) bestimmte offenbar systematisch angewendete Techniken der Erweckung und Bekämpfung von Mitleidsansprüchen beobachten. Diese werden im Lichte der – insbesondere aus den Schriften Platons und Aristoteles’ kenntlichen – Rhetoriktheorie klassifiziert und anhand signifikanter Beispiele vorgestellt. Die drei untersuchten Techniken sind (1.) der methodisch nicht weiter reflektierte Gebrauch von mitleidserregenden Instanzen, (2.) die Anwendung reflektierender Axiome über das Wesen des Mitleids, und (3.) die methodologisch orientierte Ablehnung des Mitleiderweckens.