Dieter Lau

4 articles

Loading profile…

Publication Timeline

Co-Author Network

Research Topics

  1. Review of Schriftlichkeit und Rhetorik: Das Beispiel Griechenland. Ein Beitrag zur historischen Schriftlichkeitsforschung by Lonni Bahmer
    Abstract

    REVIEW

    doi:10.1525/rh.2004.22.1.103
  2. Review of Im Garten der Rhetorik. Die Kunst der Rede in der Antike by Øivind Andersen
    Abstract

    REVIEW

    doi:10.1525/rh.2004.22.1.104
  3. Im Garten der Rhetorik. Die Kunst der Rede in der Antike von Øivind Andersen
    Abstract

    104 RHETORICA lich im Umlauf waren, so wenig tragen B.s Interpretationen (S. 208-236) zur Fundierung dieser Ansicht bei. B.s Arbeit geht, zusammenfassend gesagt, von einem wichtigen Problem aus, behandelt dieses aber in einer methodisch wenig überzeugenden Form. Angesichts der oft weitausholenden, streckenweise in ermüdender Diktion vorgetragenen Darstellung stellt sich die Frage, ob B. ihr Ziel durch eine umfassende Sichtung und Interpretation der in der einschlàgigen Literatur des 5. und 4. Jahrhunderts vorliegenden Aussagen zur Schriftlichkeit nicht besserhàtte erreichen kônnen. Es sei hier nur - ergânzend zu den von B. selbst angeführten "Schrift"-Belegen-u.a. verwiesen auf Sokrates' Schilderung der zeitgenôssischen Rhetorik-Lehrbiicher (Platon, Phaedr. 266c-267d; 271c), auf das bei L. Radermacher (Artium scriptores: Sitzb. Ôsterr. Akad. 227,3, 1951) zu findende Material, auf die Belege bei W. Steidle (Redekunst und Bildung bei Isokrates: Hermes 80, 1952, 271 Anm. 5). Auch im einzelnen bietet die Arbeit manches Inakzeptable, so, wenn B. Platon auf dem Gebiet der Sprachbetrachtung und der formalen Logik zum "Schüler" der Sophisten erklàrt (S. 238), verkennend, daP zum einen Platons epistemologisches Interesse an der Sprache, insbesondere der "Richtigkeit der Wôrter", sich gerade nicht am sophistischen Begriff der formalen Sprachrichtigkeit orientiert, sondern—so im Krati/los—zuriickweist auf die etymologisierende Sprachanalyse des frühen Griechentums, daP zum andern für Platons Logik nicht die von ihm als Antilogike (Eristik) bekampfte sophistische Dialektik grundlegend ist, sondern das sokratische Bemühen um den Begriff. Zwei etwas knapp geratene Register erschliePen das Buch. Druckfehler finden sich selten, doch weisen einige griechische Wôrter falsche Akzente bzw. Spiritus auf (so S. 139; 144; 209 u.ô.). Angesichts der wertvollen Fragestellung des Werkes braucht dessen Besprechung indes nicht im Negativen zu enden. Dieter Lau Universitat Essen 0ivind Andersen, Im Garten der Rhetorik. Die Kunst der Rede in der Antike. Aus dem Norwegischen von Brigitte Mannsperger und Ingunn Tveide, Darmstadt 2001 (Originalausgabe: I Retorikkens Hage, Oslo 1995). An der Pforte zum Rhetorik-Garten empfàngt Andersen (im folgenden A.) seine Besucher, erklàrt ihnen den für sie ausgesuchten Spazierweg mit dessen in thematischen, problemorientierten Aspekten wie Kommunikation , Argumentation, Pàdagogik (S. 11) bestehenden—Markierungen und nennt ihnen als Hauptanliegen7 der vorgesehenen flânerie commune, Reviews 105 "herauszufinden, was ais typisch gelten kann für Redner und Redekunst" (S. 17). Der Beobachtungszeitraum reicht von 500 v. Chr. bis 500 n. Chr. (S. 12); das Beobachtungsfeld, in einer Quellenschau umrissen (S. 13-17), umfaRt die thematisch einschlágige Literatur der paganen griechisch-rômischen Antike: "theoretische Schriften, Handbücher und Reden" (S. 13). Den Schwerpunkt bilden Aristóteles, Cicero und Quintilian. Überraschen dürfte den Gartenbesucher , daR christliche Autoren—man denkt etwa an Augustinus, an seine Predigten, seine für die Theorie auch der christlichen Beredsamkeit grundlegende Schrift De doctrina Christiana (nur einen kurzen Hinweis auf diese gibt A. S. 225), seine Indienstnahme der Tropologie als hermeneutisches Instrumentarium der Bibelexegese—in A.s fiortus rhetoricns keinen angemessenen Platz gefunden haben und so die in ihrer Bedeutung kaum zu überschátzende Rezeption und Transformation der paganen Rhetorik durch das frühe Christentum auRerhalb verbleibt. Nach erklàrenden Bemerkungen zu den Termini rhetor, rhetorikos, techne (dazu nochmals S. 272f.) und rhetorike techne (S. 17f.)—man vermiRt die entsprechende Erklàrung von orator sowie den Hinweis, daR bis in die Zeit des Hellenismus sophistes die Bezeichnung für den Redelehrer gewesen ist— pràsentiert A. antike Definitionen der Rhetorik (S. 19-23). Einzelkritik—aus Raumgründen kann hier wie im folgenden nur auf weniges hingewiesen werden: - Quintilian, so erklàrt A., habe mit seinem Werk, der Institutio oratoria, "1500 Jahre lang einen ungeheuren EinfluR auf Rhetorik und Pádagogik ausgeübt" (S. 14), eine erstaunliche Feststellung, da Quintilians Wirkung in der Antike bekanntlich bescheiden gewesen ist und die groRe Zeit seiner Rezeption erst mit Poggios Fund (im Winter 1415/16) beginnt. - DaR Demetrios von Phaleron nicht "um die Zeitenwende gewirkt hat" (S. 17; chronologisch richtige Einordnung dann S. 257), sollte eigentlich klar sein. - Aristóteles' berühmte Definition der Rhetorik (rhet. 1,2, 1355 b 26f.) wird falsch übersetzt als die Fàhigkeit, "die móglichen überredenden Momente in jedem Stoff aufzuzeigen" (S. 20; nochmals S...

    doi:10.1353/rht.2004.0023
  4. Schriftlichkeit und Rhetorik: Das Beispiel Griechenland. Ein Beitrag zur historischen Schriftlichkeitsforschung von Lonni Bahmer
    Abstract

    Reviews Lonni Bahmer, ScJiriftlichkeit und Rhetorik: Das Beispiel Griechenland. Ein Beitrag zur historischen Schriftlichkeitsforschung. Hildesheim / Zü­ rich / New York 2000. Die derzeit intensiv betriebene historiscbe Schriftlichkeitsforschung bildet den Rahmen, innerhalb dessen L. Bahmer (im folgenden B.) in ihrem Werk die Frage nach der Beziehung von Schriftlichkeit und Rhetorik stellt, naherhin, nach der Bedeutung der Rhetorik fur die Schriftlichkeit, nach der Rolle der Schrift bei der Herstellung der Rede sowie der Schrift als Medium des Lehrens und Lernens. Die "Arbeit beansprucht, von den Quellen auszugehen " (S. 15); im wesentlichen handelt es sich hierbei um den Anonymus Iamblichi, die Dissoi Logoi und die erste Tétralogie Antiphons. Der Interpretation dieser Texte geht die fast ein Drittel der Arbeit ausmachende Einführung (S. 11-78) voran, in der B. den Forschungsstand sichtet— gelegentlich mit hohlem Pathos (z.B. S. 38) und in oberflâchlich-ambitiôser Polemik. So etwa gegenüber R. Pfeiffer (S. 29f.), dessen Darstellung der Sophistik und ihrer Bedeutung für die Schriftlichkeit und die Entwicklung des Buchwesens (History of Classical Scholarship, Oxford 1968, 16-56), genau besehen, die Antwort auf die von B. gestellten Fragen in wichtigen Punkten vorwegnimmt; ist doch die Sophistik mit der Rhetorik aufs engste verbunden. Da die von B. als Hauptquellen herangezogenen Texte explizit weder auf den Zusammenhang von Rhetorik und Schriftlichkeit noch in ihrer sprachlichen Gestaltung auf schriftliche VerfaBtheit verweisen, bedient sich B. vorwiegend der indirekten Beweisfiihrung. So sucht sie ihre These, der Anom /mus Iamblichi habe seine Ausführungen schriftlich verfaBt, zu beweisen durch die Einreihung dieses Textes unter solche Textsorten, "die von vornherein als Schriftprodukte [...] angesehen werden" kônnen (S. 109). Die in den Dissoi Logoi (5,Ilf.) als ein Beispiel für situativen Relativismus angeführte betonungsbedingte Bedeutungsverànderung von Homographen motiviert B., obwohl das Exempel eher den Rang der Mündlichkeit dokumentiert, zu ausgedehnten Erôrterungen u.a. antiker Schreibkonventionen, des Ineinandergreifens von Musik, Rhythmus, Grammatik, des Elementarunterrichtes—mit dem Ziel, das "SchriftbewuBtsein" des Verfassers (S. 173) herauszustellen. Und schlieBlich: So unzweifelhaft es ist, daB die Tetralogien Antiphons als Musterreden wie andere rhetorische Beispielsammlungen dieser Zeit schrift-© The International Society for the History of Rhetoric, Rhetorica, Volume XXII, Number 1 (Winter 2004). Send requests for permission to reprint to: Rights and Permissions, University of California Press, Journals Division, 2000 Center St, Ste 303, Berkeley, CA 94704-1223, USA 103 104 RHETORICA lich im Umlauf waren, so wenig tragen B.s Interpretationen (S. 208-236) zur Fundierung dieser Ansicht bei. B.s Arbeit geht, zusammenfassend gesagt, von einem wichtigen Problem aus, behandelt dieses aber in einer methodisch wenig überzeugenden Form. Angesichts der oft weitausholenden, streckenweise in ermüdender Diktion vorgetragenen Darstellung stellt sich die Frage, ob B. ihr Ziel durch eine umfassende Sichtung und Interpretation der in der einschlàgigen Literatur des 5. und 4. Jahrhunderts vorliegenden Aussagen zur Schriftlichkeit nicht besserhàtte erreichen kônnen. Es sei hier nur - ergânzend zu den von B. selbst angeführten "Schrift"-Belegen-u.a. verwiesen auf Sokrates' Schilderung der zeitgenôssischen Rhetorik-Lehrbiicher (Platon, Phaedr. 266c-267d; 271c), auf das bei L. Radermacher (Artium scriptores: Sitzb. Ôsterr. Akad. 227,3, 1951) zu findende Material, auf die Belege bei W. Steidle (Redekunst und Bildung bei Isokrates: Hermes 80, 1952, 271 Anm. 5). Auch im einzelnen bietet die Arbeit manches Inakzeptable, so, wenn B. Platon auf dem Gebiet der Sprachbetrachtung und der formalen Logik zum "Schüler" der Sophisten erklàrt (S. 238), verkennend, daP zum einen Platons epistemologisches Interesse an der Sprache, insbesondere der "Richtigkeit der Wôrter", sich gerade nicht am sophistischen Begriff der formalen Sprachrichtigkeit orientiert, sondern—so im Krati/los—zuriickweist auf die etymologisierende Sprachanalyse des frühen Griechentums, daP zum andern für Platons Logik nicht die von ihm als Antilogike (Eristik) bekampfte sophistische Dialektik grundlegend ist, sondern das sokratische Bemühen um den Begriff. Zwei etwas knapp geratene Register erschliePen das Buch. Druckfehler finden sich selten, doch weisen einige griechische Wôrter falsche Akzente bzw. Spiritus auf (so S. 139; 144; 209 u.ô.). Angesichts der wertvollen Fragestellung des Werkes braucht dessen Besprechung indes nicht im Negativen zu enden. Dieter Lau Universitat Essen 0ivind Andersen, Im Garten der Rhetorik. Die Kunst der Rede in der Antike. Aus dem Norwegischen...

    doi:10.1353/rht.2004.0022